Die technologische Entwicklung schreitet auch in meiner Ausrüstung immer weiter voran. Nun durfte ich erstmals das Wunder des „Platesolvings“ erleben: Die Software nimmt kurz ein beliebiges Stück Himmel auf und erkennt anhand des Sternenmusters sofort die genauen Koordinaten. Hierfür nutze ich das kostenlose Programm N.I.N.A (Nighttime Imaging ´N‘ Astronomy) in Kombination mit dem Platesolver ASTAP. Für jemanden, der in den 1990er Jahren noch Diafilme in eine Minolta-Kamera gelegt und Himmelsobjekte mittels „Star-Hopping“ aufgesucht hat, der Langzeitbelichtungen mittels mechanischem Drahtauslöser mit Feststellschraube gemacht und eine Handsteuerbox an einer Nachführung für die Endstufe der Technik gehalten hat, ein weiter Weg.
N.I.N.A kann noch viel mehr. Mein Zielobjekt an diesem Abend war der Rosettennebel im Sternbild Einhorn – N.I.N.A schwenkt das Teleskop automatisch in die richtige Richtung und zeigt noch eine Vorschau, wie der Bildausschnitt aussehen wird. Und natürlich übernimmt sie auch die Belichtungssteuerung inklusive „Dithering“. Insgesamt erhalte ich 53 brauchbare 2-Minuten-Bilder mit dem Newton und dem Duo-Schmalbandfilter, die ich mit dem Astro Pixel Processor zusammenfüge und in Lightroom etwas nachbearbeite:

Der Rosettennebel besteht überwiegend aus Wasserstoff, aus dem permanent neue Sterne entstehen. So hat sich auch der Haufen aus hellen Sternen im Zentrum gebildet. Diese jungen Sterne sorgen nun für das rötliche Leuchten, indem ihre Strahlung das Wasserstoffgas ionisiert.
Da der Nebel so groß ist, dass er das Bild schon mehr als ausfüllt, habe ich noch einen Versuch mit dem Apo bei etwa halber Brennweite unternommen. Hier sieht das Ergebnis nun arg seltsam aus:

Eine nähere Analyse fördert zu Tage, dass auf einem der 35 Frames ein Satellit durchs Bild geflogen ist. Dank der Planetariumssoftware Stellarium lässt sich das Objekt identifizieren: Es ist FIA Radar 4, ein US-Militärsatellit, der in einem Orbit von gut 1.100 km Höhe die Erde umkreist. Am 7. März flog er in etwa 15 Sekunden durch das Gesichtsfeld meiner Kamera, wobei er um exakt 20:52:12 Uhr für einen kurzen Moment so hell aufleuchtete wie die Venus. Der Grund liegt in einer Reflexion: Der Satellit stand noch im Sonnenlicht und reflektierte dieses in Richtung meiner Kamera – ähnlich wie manchmal ein entferntes Hochhaus das Licht der tiefstehenden Sonne an einem Fenster spiegelt.
Ein letzter Blick auf den Rosettennebel vereint das Licht von etwa drei Stunden aus zwei weiteren Nächten mit dem Apo:

Auch der Pannen-Almanach ist wieder um einiges gewachsen – unter anderem in der Rubrik Materialschäden:
- Die Montierung steht nun auf einer Säule näher an der Balkonbrüstung. Dadurch wird zwar wie gewollt das Guckfenster etwas größer – allerdings stößt der Newton jetzt bei einem Schwenk an das Geländer – ich hoffe mal, der Motor hat keinen Schaden genommen.
- Um unbeaufsichtigtes Anstoßen zu vermeiden, mache ich den Meridian-Flip manuell. Der Schwenk läuft wie gedacht, dann gibt es ein seltsames Geräusch und plötzlich geht nichts mehr. Die genaue Ursache liegt im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln – aber irgendwie hat sich das Kabel verhakt und wurde vom Stecker gerissen (!). Der Materialschaden beläuft sich auf 14 Euro, aber die Beobachtungsnacht ist erstmal vorbei.
- Die ersten Versuche mit dem Apo scheitern – N.I.N.A schaltet nach kurzer Zeit ab und kommuniziert nicht mehr mit der Kamera. Aber sie trifft keine Schuld – der Rückgang zum ASI Studio bringt keine Besserung. Nach einer guten Stunde finde ich des Problems Lösung: Für das Guiding mit PHD2 hatte ich für den Apo ein neues Profil angelegt – und dabei offenbar die Hauptkamera der ASI ZWO 2600 MC Duo anstelle der Guiding-Kamera verwendet. So kommen sich die Steuerungssysteme ständig in die Quere. Das hätte es früher mit Diafilm und Drahtauslöser nicht gegeben!
























